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Rheinüberschreitungen - Grenzüberwindungen

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Denni, Karen
2008, UVK Verlag, ISBN10: 3867640890

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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente 2/2009 

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Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente 2/2009 

Rezension / Compte rendu:
Brücken und Stege

Brücken sind Symbole der Versöhnung, mit deren Hilfe Spaltendes und Grenzen überwunden werden können. In ihrer Arbeit, die sich der deutschen Grenze zwischen 1861 und 2008 widmet, stellt Karen Denni die drei zwischen Straßburg und Kehl verlaufenden Rheinbrücken vor. Das Buch ist das Ergebnis von Forschungsarbeiten zu ihrer 2006 verfassten Dissertation an der Marc-Bloch-Universität in Straßburg und der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Die Autorin untersucht zunächst die deutsch-französischen Beziehungen im Grenzgebiet, wo die Brücke über den Rhein natürlich als Metapher dient.
In einem zweiten Teil befasst sich das Buch mit der Region Straßburg-Kehl, ein Gradmesser für die bilateralen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland mit einer Brücke als Bindeglied: Die 1388 erbaute "Lange Bruck" war damals die einzige Brücke über den Rhein zwischen Basel und der Nordsee. Erst im Jahr 1661 wurde in Mainz eine weitere Brücke konstruiert. Von den insgesamt 62 Brücken über den Rhein überqueren lediglich neun, davon drei in Straßburg, die deutsch-französische Grenze. Es gibt mehr Brücken in Paris als über den Oberrhein.
Ein Objekt sämtlicher militärischer Begierden, sah sich die Brücke früher mit den Launen des Stroms konfrontiert, der seinen Lauf regelmäßig veränderte und Arme und Verästelungen ausbildete. Erst 1808 sollte auf die Initiative Napoleons hin die erste feste Brücke konstruiert werden. Nach den 1817 am Rhein vorgenommenen Ausbauarbeiten sollte nicht mehr die Natur als Feind der Brücken fungieren, sondern der Mensch. Insgesamt drei Mal wurde während der deutsch-französischen Kriege die 1861 erbaute Eisenbahnbrücke zerstört, die als "eine unerlässliche Maßnahme zum Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland" galt "und dem internationalen Transportwesen alle nötigen Eisenbahnlinien sowie die dazugehörigen Ausbaumöglichkeiten ermöglichen" sollte. Zwischen 1919 und 1940 blieb die Brücke für Straßenbahnen gesperrt, während Autos und Fußgänger hingegen ungehindert verkehren durften. Die Konstruktion der nach dem Zweiten Weltkrieg gebauten Europabrücke sollte gewiss ein Ausdruck der beiderseits des Rheins gehegten Absichten und Hoffnungen sein. Doch ihre eigentliche Daseinsberechtigung besteht, wie bereits bei der ersten Autobrücke aus dem Jahr 1897, in einer Entlastung der Region angesichts der zunehmenden Automobil-Invasion (gegenwärtig 30 000 Überquerungen pro Tag).
Im April 2004 eröffnet Straßburg den "Garten der zwei Ufer" mit einer ersten Brücke für Fußgänger und Radfahrer, einer symbolischen Passerelle (auch Mimram-Brücke genannt), die gleichwohl eine heftige Debatte zwischen Anhängern und Gegnern des Projekts auslöst. Die einen sehen darin eine Chance, "statt einer Grenze, eine natürliche und physische Kontinuität wahrzunehmen", die anderen sähen es lieber, wenn sich der französische TGV mit dem deutschen ICE zusammentäte, um die Grenze mit Hochgeschwindigkeit zu überqueren, als der Gestaltung eines Gartens in einer unbesiedelten Gegend beizuwohnen. Nur mit einem einzigen Satz erwähnt das Buch die von Frankreich nach dem Krieg als Reparationsleistungen formulierten Bedingungen für den Bau dieser Hochgeschwindigkeitslinie. Die Brücke wird bei Karen Denni zum konkreten Beispiel, anhand dessen sie die beiden städtischen Positionen, aber auch die Berichterstattung der jeweiligen Regionalpresse ausdifferenziert. Die Autorin bemerkt in der Tat, die "Dernières Nouvelles d'Alsace" tendierten dazu, allzu kritische Leserbriefe nicht zu veröffentlichen, während die "Kehler Zeitung" ihre Spalten ohne Einschränkung zur Verfügung stelle.
Die Rheinbrücken sind an solche Kontroversen gewöhnt. Man denke nur an die provisorischen Brücken, die zwischen 1945 und der Eröffnung der jetzigen Europabrücke 1960 konstruiert worden sind, da es beiden Ländern nicht gelang, sich auf die Höhe oder Breite des Bauwerks zu einigen. Das Buch schließt mit einem zugleich symbolischen und positiven Ausblick: "Die Tatsache, dass Franzosen und Deutsche Geld in Brücken zu investieren wagen, ist ein starkes Zeichen für Friedenszeiten, ein Beweis dafür, dass sie im Gegensatz zu ihren Vorfahren die durch einen Krieg provozierte Zerstörung dieser Bauwerke nicht mehr fürchten."
François Talcy, Übersetzung: Dr. Nicola Denis

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Rheinüberschreitungen - Grenzüberwindungen