HipHop-Dialoge zwischen Frankreich und Deutschland
2003, Koch/Hannibal, Höfen (Österreich), ISBN10: 3854452357
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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 4/2012
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Rezension / Compte rendu:
French Connection
Mit dem Buch French Connection hat der deutsche Literaturwissenschaftler Sascha Verlan im Jahr 2003 die Entstehung des ersten deutsch-französischen HipHop-Samplers dokumentiert. Auf der gleichnamigen CD vereinigen sich Szenegrößen beider Länder zu gemeinsamen Rap-Songs – ein grenzüberschreitendes Pionierprojekt. Verlan sucht mit seinem Buch nach Unterschieden und Parallelen in den HipHop-Szenen beider Länder. Der Autor spannt in seinem Werk den Bogen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Er verdeutlicht, dass sich die HipHop-Szenen in Deutschland und Frankreich zunächst eigenständig entwickeln und sich erst mit der Zeit aneinander annähern. In der Produktion des Samplers French Connection sieht Verlan einen wichtigen Schritt für die Verknüpfung beider Welten. Auf beiden Rheinseiten werde heute überwiegend in der Muttersprache gerappt. Für die französischen Künstler sei dies eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland wagte man, so stellt Verlan fest, erst viel später den Sprung von englischem hin zu deutschem Sprechgesang. Bei der Arbeit an den French Connection-Songs galt es, eine gemeinsame sprachliche Ebene zu finden. Kommuniziert wurde zwischen den Künstlern teilweise mit Gestik, Mimik oder durch Übersetzungen. Verlan verdeutlicht, dass diese Tatsache das Projekt jedoch nicht behinderte. Denn, so eine zentrale These des Buchs: "Le flow, c'est le langage universel !" In den Entwicklungslinien beider Szenen sieht der Autor weitere Unterschiede. Rap in Frank - reich sei von Anfang an als soziale Bewegung zu verstehen. Es waren die französischen Jugendlichen der "quartiers sensibles", die sich als Erste in der Kultur zu Hause fanden und sie sich in eindrucksvoller Weise zu Eigen machten. Auch in Deutschland komme dem sozialen Aspekt der HipHop-Bewegung eine wichtige Bedeutung zu. Neben Migranten seien hier jedoch von Beginn an auch Jugendliche aus der Mittelschicht prägend gewesen. Der Autor porträtiert zur Veranschaulichung beider Szenen Künstler aus allen Hip-Hop-Disziplinen: Rapper, Breakdancer, DJs und Graffitimaler. So etwa den französischen HipHop-Pionier DJ DeeNasty oder den Deutsch-Haitianer Torch, die beide prägende Größen für ihre jeweilige Szene waren. Auch den Einfluss und die Bedeutung der Medien für die Verbreitung der Bewegung macht Verlan zum Thema – zum Beispiel die 1993 auf Arte ausgestrahlte Dokumentation Lost in Music: Hip Hop Hooray. Die durch den Grimme-Preis prämierte ZDF- Produktion porträtierte deutsche Rapper und wurde auch in Frankreich ausgestrahlt. Damit leistete sie einen grenzüberschreitenden Beitrag zur Popularität und Verbreitung von HipHop. Verlan schlägt in seinem Buch auch kritische Töne an. Wertvoll ist seine Bekräftigung der friedvollen Ursprungsidee der HipHop-Kultur. Der amerikanische DJ Afrika Bambaataa hatte Hip-Hop-Battles zur Vermeidung körperlicher Gewalt zwischen Straßengangs eingesetzt. Dieser Geisteshaltung würden bedauerlicherweise, so Verlan, heute nicht alle Vertreter der Kultur gerecht. Das Buch selbst ist nur in deutscher Sprache erschienen. Nach Auskunft des Autors hat sich kein französischer Verlag dafür gefunden, obwohl das Werk als stimmiges Porträt zweier Szenen Relevanz für beide Länder hat. Für die gleichnamige CD, die über Kopfnicker Records veröffentlicht wurde, bedarf es jedoch keiner Übersetzung. Hier wird in beiden Sprachen gerappt.
Felix Neumann
Dialogue hip-hop
Un ouvrage ainsi qu'un CD parus en 2003 présentent les scènes hip-hop
en France et en Allemagne, avec tout ce qui fait leurs différences mais
aussi les points communs de leur musique.
Réd.



