2011, Urachhaus 2011, ISBN10: 3825177572
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Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente/Documents 3/2011
Rezension / Compte rendu:
Glückliches und verkanntes Elsass
L'Alsace vue par l'artiste alsacien Jean-Jacques Waltz, alias Hansi, et preésentée aux lecteurs allemands.
Jean-Jacques Waltz (1873–1951), der unter dem Pseudonym Hansi bekannt gewordene Künstler, gehört zum Elsass wie die Störche und das Fachwerk. Wie er das Ambiente dieses besonderen Landstrichs in seinen Bildern erfasst hat, das findet auf Postkarten, Tellern und Schürzen überall dort reißenden Absatz, wo der Tourismus blüht. Seine Bilderbücher "L’Histoire de l’Alsace racontée aux petits enfants" und "L’Alsace heureuse", in denen "Onkel Hansi" Kindern Geschichten aus dem Elsass erzählt, stehen weiterhin auf der Bestseller-Liste. Aus diesen Klassikern fasst das soeben auf Deutsch erschienene Buch "Glückliches Elsass" die schönsten Texte und Bilder zusammen. Was spontan als gemütlicher Blick auf das Elsass erscheint, enthält zur Genüge humorvolle und häufig boshaft spöttische Kommentare zur deutsch-französischen Konfliktgeschichte und teutonischen Lebensart. Die elsässische Hansi-Mode kann erheitern, ruft aber auch Kritiker auf den Plan. André Weckmann etwa bemängelt die zu Maskottchen kommerzialisierten Hansi-Figuren (niedliche Kinder, Trachtenträgerinnen, Störche und watschelnde Gänse), nicht aber den Künstler Jean-Jacques Waltz. Waltz hatte im Jahr 1910 in Paris die Ausstellung "L’Alsace contre l’Allemagne" veranstaltet und gab die Satire-Zeitschrift "Dur’s Elsass" mit heraus. Seine "Beleidigung des deutschen Offizierscorps" brachte ihm 1914 ein Jahr Gefängnis ein, durch Flucht nach Frankreich konnte er sich entziehen. Die NS-Zeit überlebte er angeschlagen im Schweizer Exil. 1909 hatte er den satirischen Roman Professor Knatschke verfasst, der die Einstellung damaliger Deutscher gegenüber dem Elsass persifliert: "Unter all den Gelehrten, welche in letzter Zeit die deutsch-französische Kulturfrage behandelt haben, nimmt Prof. Knatschke-Königsberg einen hervorragenden Platz ein (...), der, wie er selbst sagt, seit seiner Kindheit an dem Traum der Wiedervereinigung des Elsasses (sic!) mit allen "Fasern seines Herzens gehangen" hat. Geboren in Tilsit an der Memel bewies er schon in der Sexta (...) in einem geschichtlichen Aufsatz, daß eigentlich des deutschen Reiches Grenzen viel weiter westlich verlegt werden sollten, da die Grafschaften Mömpelgard (jetzt leider Montbéliard) und Virten (jetzt Verdun) aus historischen und juristischen Gründen zu Deutschland gehörten." Hansis Stil ist unverkennbar. Mit historischem Abstand werden auf heutigen Postkarten jene Motive vermieden, die politisch-nationalistische Seitenhiebe auf Preußen und Germanen enthalten. Doch anhand seiner Bücher kann man Hansis Hänseleien noch kennenlernen. Zudem besteht in Riquewihr ihm zu Ehren ein kleines Museum und seine Geburtsstadt Colmar hat ihm ein wohlverdientes "Oncle-Hansi"-Denkmal gesetzt.
Cornelia Frenkel-Le Chuiton



