Mein Frankreich

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Sloterdijk, Peter
2013, Suhrkamp Taschenbuch, ISBN10: 3518462970

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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 2/2013 

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Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente/Documents 2/2013 

Rezension / Compte rendu:
Frankophiler Feinschmecker

Peter Sloterdijk ist stets für Überraschungen gut. Entsprechend groß sind die Erwartungen, wenn der Professor für Philosophie und Ästhetik an der
Universität in Karlsruhe ein Buch mit dem Titel Mein Frankreich vorlegt. Leider steckt hinter den stolzen Wörtern eine kleine Mogelpackung. Denn der Band bietet 23 Artikel und Essays, die bereits anderswo erschienen sind. Nichts Neues also von dem frankophilen Feinschmecker, dessen Appetit auch vor dem Mont Ventoux nicht Halt macht – mit dem Rad wohlgemerkt. Trotzdem liest man dieses Buch mit Gewinn, summieren sich doch dessen gesammelte Schlaglichter auf das französische Geistesleben zu einem impressionistischen Tableau virtuoser Gedankenarbeit.
Ob der Autor Descartes Methode als "radikale Währungsreform der Vernunft" bezeichnet, im Zusammenhang mit Rousseau vom "Urknall der modernen Subjektivitätspoesie" spricht oder Foucaults "Subversion des philosophischen Wissens" erhellt – mit Lust schlägt er auch aus dem härtesten Gedankengranit sprachliche Funken. Sehr lesenswert ist die profunde Auseinandersetzung mit dem Dekonstruktivismus des 2004 gestorbenen Jacques Derrida, in der Sloterdijk zugleich die "abgründige Fabrikation der jüdischen Identität" mittels der "Verschriftlichung Gottes" auslotet.
Im Zentrum des Buches steht der 2008 erstmals publizierte Aufsatz Theorie der Nachkriegszeiten, in dem die deutsch-französischen Beziehungen gegen den Strich des Partnerschaftspathos interpretiert werden. Sloterdijk skizziert den "gaullistischen Aufbruch in die Neo-Grandeur" im Frankreich der Nachkriegszeit, während gleichzeitig die Westdeutschen bei ihrem Wiederaufbau peinlichst genau darauf achteten, nur ja keiner "nationalen Überhebung" zu erliegen . In einem skeptischen Vorausblick auf das fünfzigjährige Jubiläum des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages 2013 bedauert Sloterdijk die Entwicklung eines bilateralen Verhältnisses, das "günstigstenfalls als das einer wohlwollen den gegenseitigen Nicht-Beachtung oder einer benignen Entfremdung" zu bezeichnen wäre. Selbst die beiden Heroen der deutsch-französischen Versöhnung kommen nicht gut weg: "In Reims haben de Gaulle und Adenauer ihre Nationen entnapoleonisiert und damit den Weg zu einer entfaszinierten Nachbarschaft geöffnet."
Die Klage über das Versiegen des deutsch-französischen Kultur- und Gedankenstroms und damit einhergehend die friedlich geteilte Langeweile beiderseits des Rheins ist allerdings nicht neu. Eine mehr als ironische Pointe besitzt Sloterdijks Lamento freilich, weil er selbst wie kaum ein anderer die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Nachbarland am Leben hält. Gar nicht zu reden davon , dass dieser Konsensverächter aus Karlsruhe mit seinen Aperçus und Apropos geradezu den Esprit eines homme de lettres präsentiert. Wenn also Peter Sloterdijk „eine gegenseitige Desinteressierung und Defaszination“ konstatiert, straft er sich selb st als erster Lügen. Dafür ist ihm zu danken.
Medard Ritzenhofen

Ma France
Peter Sloterdijk, professeur de philosophie à l’université de Karlsruhe, publie un livre sur la France en reprenant 23 articles et essais déjà publiés ailleurs. Il se considère comme un écrivain qui fait de la philosophie, et il exprime ses pensées dans ce style pour parler de la France du 18e siècle jusqu’à maintenant, de Voltaire à Derrida, de la Révolution française à Sarkozy et il explique pourquoi la France et l’Allemagne s’éloignent de plus en plus l’une de l’autre politiquement et culturellement.
Réd.

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