Gestalt des letzten Ufers

Originaltitel: Configuration du dernier rivage

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Houellebecq, Michel
2014, DuMont, Köln, ISBN10: 3832197419

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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 3/2014 

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Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente/Documents 3/2014 

Rezension / Compte rendu:
Im Aquarium der Leiden
Das medial verhätschelte Enfant terrible ist er schon lange nicht mehr, spätestens seit der Verleihung des Prix Goncourt ist der mittlerweile 56-jährige Michel Houellebecq in der Szene als literarische Größe anerkannt. Er wirkt ohnehin schon etwas altersmilde heute, wenngleich seine Themen sich nicht groß geändert haben. In seinem neuen Gedichtband, der erfreulicherweise zweisprachig vorliegt, wirkt der auszumachende Basso continuo womöglich noch eine Spur existenzialistischer oder nihilistischer, gerne behandelt er die multiplen Kränkungen des alltäglichen Lebens, wobei man poetische Anklänge an Baudelaire und auch an Cioran ausmachen kann. Es geht dabei um Welthabe und Weltverlust, um Leid und Linderung, aber seine Tristesse wirkt wohlproportioniert. Aufbegehren war ihm nie eine Option, alle empfundene Leere wurde stets ästhetisch sublimiert. Entsprechend stehen in diesen Gedichten die einzelnen Facetten von Einsamkeit immer wieder im Focus. Seine Lebensrestzeit empfindet Houellebecq schlicht als "Vorspiel für das Schwinden eines unzweckmäßigen Körpers", weil dieser Körper, ganz anders als bei Pennacs selbstverliebter Introspektion (siehe Dokumente/Documents 2/2014), ihm doch kein lohnendes Studium oder überhaupt keine längere Verweildauer wert ist. Mit Blick auf eine nachlassende Funktionsweise dieses Körpers belächelt er eher distanziert und jenseits aller Resignation den eigenen, unhintergehbaren Verfall. Das aber hat durchaus seinen morbiden Charme.
Thomas Laux

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Gestalt des letzten Ufers