Der Seelenhüter

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Kretz, Pierre
2012, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2012, ISBN10: 3863510259

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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 2/2012 

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Rezension / Compte rendu:
Vergeblich und sinnlos

Erinnern, sich einer Vielfalt von politischen Fakten und persönlichen Ahnungen auszusetzen, das kann eine Last sein. Davon handelt der soeben ins Deutsche übersetzte Roman von Pierre Kretz "Le gardien des âmes" ("Der Seelenhüter"). Die Familie des Ich-Erzählers ist seit Generationen im Elsass ansässig, hin- und hergerissen durch Krieg und Zwist. Das hinterlässt Spuren. Als "1944 die Bomben auf Heimsdorf fielen", war er vier Jahre alt – dann fehlt der Vater: "Er esch nem heimkomme von Russlànd." Später steht auf einem Grabstein: "Im Winter 1944-45 an der Ostfront verschollen." Als er zwölf ist, stirbt die Mutter in einer psychiatrischen Anstalt. Er wächst bei Verwandten auf.
Der Erzähler, der biographische Ähnlichkeit mit dem Autor aufweist, aber eine Kunstfigur ist, wohnt einige Jahrzehnte in der Stadt; nach dem Tod des Großvaters zieht er in das Haus seiner Vorfahren. Dort logiert er im Keller und umgibt sich mit Fotos von Personen, die im Krieg blieben. Gleichzeitig sucht er den Psychologen "Monsieur Jemand" auf und forscht in Archiven nach ehemaligen Frontkämpfern, oft plagen ihn Schamgefühle. Er ruft sich Großeltern, Eltern und Freunde ins Gedächtnis, ihre Worte, ihr Leid. Bei Familienfesten war Geschichte ein selbstverständliches Thema. Wiederkehrend wurde z. B. von Onkel Leo erzählt, der noch Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg "nächtelang in seinem Zimmer" herumlief und sein Trauma nicht los wird; und von den Frauen, die nach dem Krieg lebenslang Witwen blieben. "Russland" und "Sedan" irrlichtern durch die Sprache – stehen für vergeblich und sinnlos. Die Kirche in all diesen Zusammenhängen erzürnt den Autor. Einer der Großväter kam zur Welt, als das Elsass deutsch war; 1918 wurde er Franzose, 1940 Deutscher und 1945 erneut Franzose. Vier Mal den Staat und die Sprache zu wechseln, das verstört (Facetten des Themas kennt man aus "Les Alsaciens – ou les deux Mathilde" und "Die Linden von Lautenbach"). Bald versuchten französische Lehrer den Elsässern die richtige Aussprache beizubringen: "Bonjour les enfants !" –"Booschur !", es wollte nicht klappen. Ab 1940 war Französisch verboten. Nun wurden die Lehrer zum Umlernen nach Deutschland geschickt; insgeheim nannte man das "Dummschulung". In der Nachkriegszeit dann ein Klima von Verdacht und Schuldzuweisung.
Im Verlauf des lebendig erzählten Buches spürt Pierre Kretz auch seinem Dialekt nach, der vage Formeln parat hat, wenn es um den wechselnden Bezug zu Deutschland geht, "Sen d’namliga nem!" (es sind nicht mehr dieselben, sie sind anders geworden). Den Rhein zu überqueren, blieb in all diesen historischen Wirren oft angstbesetzt.
Cornelia Frenkel-Le Chuiton

Souvenirs
Le roman de Pierre Kretz, « Le gardien des âmes », traduit en allemand, est proche de la violente histoire alsacienne, tant la personnalité du héros rappelle la biographie de l’auteur. Un homme se retire du monde dans la maison de ses ancêtres, pour se remémorer les drames qui ont touché tous ceux qui ne sont pas revenus des guerres et penser à celles et ceux qui en sont encore les victimes.
Réd.

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Der Seelenhüter