Mémoires

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Klarsfeld, Beate und Serge
2015, Fayard Flammarion, Paris, ISBN10: 3492057071

Dieses Buch jetzt bei Amazon.de ansehen
Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 3/2015 

Voir ce livre sur Amazon.fr
Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente/Documents 3/2015 

Rezension / Compte rendu:
Ein exemplarisches Engagement

Wenn Beate und Serge Klarsfeld ihre Geschichte erzählen, dann sind biografische Details gewiss von Interesse; vor allem findet aber ein spannender Rückblick auf die Jahrzehnte nach 1945 statt, in denen sie zu einer kleinen Schar von Kämpfern gehörten, die wenig Anerkennung, aber viele Anfeindungen ernteten. Serge Klarsfeld (*1935), Sohn eines aus Nizza nach Auschwitz deportierten Juden, der selbst als Kind knapp den deutschen Besatzern entkommen ist, und die in Berlin geborene Beate A. Künzel (*1939) liefen sich in Paris über den Weg, wo sie seit 1960 als Au-pair-Mädchen arbeitete und Französisch lernte; er war Sciences-Po-Student. Aus ihrer Liebe wurde rasch eine kleine Familie, in deren Zentrum die Aufarbeitung von NS-Verbrechen rückte. Beate Klarsfeld kritisierte etwa in der Zeitung Combat, dass ein Mann wie Kurt Georg Kiesinger, der seine Nazivergangenheit verharmlose, in der Bundesrepublik zum Kanzler gewählt werde. Daraufhin wurde sie vom deutsch-französischen Jugendwerk (DFJW), für das sie damals arbeitete, entlassen; sie begann sich zu radikalisieren. Nach langer Vorbereitung ohrfeigte sie im November 1968 Bundeskanzler Kiesinger, um ihr Anliegen wirksam öffentlich zu machen – das Medienecho war enorm. Bekanntlich ging die junge Bonner Republik den Verstrickungen eigener Leute nicht nach; seit 1958 wusste man z. B., dass sich Adolf Eichmann in Argentinien aufhielt. Doch Adenauer verhinderte eine Verhaftung, so der US-Historiker Timothy Naftali, damit sein Staatssekretär Hans Globke nicht durch Aussagen Eichmanns belastet würde. Das Ehepaar führte seinen strapaziösen Kampf gegen Nazi-Verbrecher, die nie zur Verantwortung gezogen wurden, systematisch fort und erreichte z. B., dass der frühere Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, in Frankreich vor Gericht gestellt wurde. Auch zu den Prozessen gegen Bousquet, Touvier, Leguay und Papon trugen sie bei. Drohungen und Gefängnisstrafen, Seilschaften und Widerstände konnten sie nicht einschüchtern; sie erstellten Prozessakten und spürten NS-Täter auf, die im Nahen Osten, in Südamerika und in der Bundesrepublik straffrei lebten, wie etwa Lischka, Hagen und Heinrichsohn. Auch Alois Brunner wurde ausfindig gemacht, doch Syrien verweigerte die Auslieferung. Nicht Rachegedanken leiteten die Klarsfelds, vielmehr wollten sie Kriminelle stoppen und für die Rechte der Opfer eintreten. So gründeten sie 1979 zudem die Vereinigung Association des fils et filles des déportés juifs de France, um die Opfer der Shoah Zug um Zug dem Vergessen zu entreißen; sie edierten Bücher mit deren Bildern und Namen sowie mehrere historische Standardwerke, darunter Vichy-Auschwitz. DieMémoires erhellen dieses Engagement; zugleich sind sie das bewegende Dokument einer großen Liebe und freundschaftlichen Zusammenarbeit. Serge und Beate Klarsfeld sind oftmals für Ehrungen vorgeschlagen worden, in Frankreich und Israel wurden ihnen solche bereits zuteil; nun hat Bundespräsident Gauck unterzeichnet, dass Beate und Serge Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz erhalten. Am 20. Juli wurde es ihnen in der deutschen Botschaft in Paris überreicht. Und ihre packenden "Erinnerungen", ganz ohne Selbstgefälligkeit geschrieben und mit einigen Fotos ausgestattet, erscheinen im Herbst im Piper Verlag in deutscher
Übersetzung.
Cornelia Frenkel-Le Chuiton

Un engagement exemplaire
Beate et Serge Klarsfeld passent en revue leur engagement dans un ouvrage qui sera traduit prochainement en allemand.
Réd.

Dieses Buch jetzt bei Amazon.de ansehen
Voir ce livre sur Amazon.fr
Mémoires