Auf der Suche nach Stabilität in der Krise der 70er-Jahre
2011, Edition Temmen, Bremen , ISBN10: 3837820106
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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 4/2012
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Rezension / Compte rendu:
Helmut Schmidt und VGE
Gibt es Freundschaft unter Politikern zweier Nationen? Bundeskanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d’Estaing sind als deutsch-französisches Paar (in der französischen Sprache ist sogar von couple die Rede, also von Ehepaar) in die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen eingegangen. Das Buch von Matthias Waechter lotet das Potenzial und die Grenzen bilateraler politischer Führung im Europa der 1970er-Jahre aus. Auf Initiative beider Politiker entstanden der Europäische Rat, die Weltwirtschaftsgipfel sowie das Europäische Währungssystem. Der Autor liefert eine Studie über eine große Politikerfreundschaft, die sich über innenpolitische Zwangslagen und die Belastungen der Vergangenheit hinwegsetzte.
G. F.
"Als Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt fast gleichzeitig ihre Ämter antreten, werden sie von unterschiedlichen öffentlichen Erwartungen und Wahrnehmungen begleitet. Der eine verkörpert weitreichende Hoffnungen auf eine gesellschaftliche Modernisierung, während der andere, als Krisenmanager geschätzt, die anbrechende Wirtschaftsrezession aufzuhalten verspricht."
"Es ist sicherlich irreführend, wenn man die Partnerschaft zwischen Giscard und Schmidt als eine notwendige Folge der Verpflichtungen, die sich aus dem Freundschaftsvertrag von 1963 ergeben, interpretieren würde. Die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen zeigt allzu deutlich, dass die Maßgaben dieses Vertrags weitgehend inhaltsleer bleiben, wenn zwischen den jeweils Regierenden kein expliziter Wille zur Abstimmung und Zusammenarbeit besteht. Die Bestimmungen des Elysée-Vertrags stecken lediglich einen institutionellen Rahmen der innerstaatlichen Beziehungen ab, schaffen aber noch keine privilegierte Partnerschaft zwischen Deutschland
und Frankreich."
"Bemerkenswert ist die hohe Zahl persönlicher Treffen, die in den sieben Jahren zwischen dem Kanzler und dem Präsidenten zustande kommen. Von 1974 bis 1981 treffen sich Schmidt und Giscard 24-mal zu Konsultationen, sei es im Rahmen der vom Elysée-Vertrag vorgeschriebenen Gipfel oder anlässlich informeller Gespräche. Dabei ist es die Vielzahl von Treffen am Rande der Europäischen Ratssitzungen oder anderer internationaler Foren wie der Weltwirtschaftsgipfel nicht mitgezählt. Es fällt auf, dass sich die beiden im Vorfeld multilateraler Zusammenkünfte zumeist zu privaten Gesprächen verabreden, um ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen.“
Happy birthday!
Les mauvaises langues affirmaient, en guise de clin d’oeil, que Valéry Giscard d’Estaing et Helmut Schmidt s’entendaient tellement bien qu’ils avaient décidé de se tutoyer... en anglais. Un message de félicitations envoyé par le chancelier au président français pour son 50e anniversaire en 1976 confirmerait la boutade : "For me it is rather uncustomary to express personal feelings and to write personal letters. But your 50th birthday is a rare occasion that will never happen again. Therefore I feel free – at least once - to tell you how high I value our personal friendship and how proud I am regarding our close political relationship."
Aus dem Brief Schmidts zum 50. Geburtstag von Giscard d’Estaing 1976. Böse Zungen behaupteten damals, die beiden Politiker würden sich duzen – auf Englisch.



