La cordiale entente. Préface de Joseph Rovan
2004, L'Harmattan, ISBN10: 2747563014
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Rezension / Compte rendu:
De Gaulle - Adenauer: Farbige Ereignisgeschichte
Der Germanist, überzeugte Europäer und langjährige Operateur im Bereich der deutsch-französischen Zivilgesellschaft, Paul Legoll, der bereits eine verdienstvolle Studie zu "Konrad Adenauer et l'idée d'unification européenne janvier 1948 - mai 1950" vorgelegt hat, schildert hier die Geschichte der deutsch-französischen Aussöhnung und Zusammenarbeit vornehmlich aus der Perspektive der beiden für die deutsch-französische Aussöhnung wichtigsten Staatsmänner. Wie der Untertitel bereits deutlich macht, hebt er dabei insbesondere auf deren "entente cordiale" ab. Damit unterscheidet sich seine Untersuchung in nicht unerheblichem Maße von den sehr viel differenzierteren Studien, etwa Gilbert Zieburas, Ernst Weisenfelds oder Georges-Henri Soutous, in denen die miteinander kaum zu versöhnenden Doppelstrategien der beiden großen Akteure sehr viel deutlicher herausgestellt werden.
Wenn es etwa bei Legoll zusammenfassend heißt, dass de Gaulle und Adenauer gemeinsame Sache in den Bereichen "la politique de défense" und "de construction européenne" gemacht hätten (S. 8), dann kann man dieser Behauptung mit Soutou oder Ziebura eine ganze Reihe von Tatsachen entgegenhalten, die einer substanziellen Gemeinsamkeit absolut widersprechen. Es sei hier nur daran erinnert, dass de Gaulle zunächst vergeblich eine gleichberechtigte Beteiligung mit den USA und Großbritannien an der Führung der NATO beansprucht hatte und danach plante, sich mit eigenen Atomwaffen von der NATO unabhängig zu machen, während Adenauer ganz im Gegensatz ein stärkeres Engagement der USA wünschte und schließlich eine Mitentscheidung über NATO- Atomwaffen anstrebte, die Deutschland dann allerdings erst sehr viel später und eher theoretisch denn faktisch erlangte.
Weit auseinander lagen die Positionen der beiden Protagonisten des Deutsch-Französischen auch in europäischen Fragen. Während de Gaulle ein Europa der Staaten herbeizuführen beabsichtigte, die Kommission am liebsten abgeschafft hätte und schließlich durch die Politik des leeren Stuhls die von den Römischen Verträgen vorgesehenen Mehrheitsabstimmungen vereitelte, waren für Adenauer die europäische Integration und das supranationale Europa die Quintessenz deutscher Europapolitik. Solche Divergenzen werden allerdings von Legoll auch nicht völlig unter den Tisch gekehrt. So werden im Zusammenhang mit den Fouchet-Plänen zwar vor allem die zustimmenden Äußerungen der deutschen Seite angesprochen, aber am Ende des entsprechenden Kapitels wird diese mit den deutschen Integrations-Interessen gar nicht zu vereinbarende Zustimmung dann immerhin indirekt relativiert: "Les petits États regimbent devant les prétentions au lea-dership affichées par le Général, approuvées pour le moins du bout des lèvres par le Chancelier, soucieux avant tout de préserver un climat serein dans la maison Europe." (S. 191)
Ähnlich undeutlich fällt die Darstellung der unterschiedlichen Interessen am Élysée-Vertrag aus. Weshalb die deutschen Abgeordneten schließlich mit überwältigender Mehrheit die Hinzufügung einer Präambel wollten, durch die der deutsch-französische Bilateralismus gegenüber der Rolle der transatlantischen Zusammenarbeit und dem Ziel der weiteren europäischen Integration relativiert wurde, wird nicht näher erläutert. Wer sich also mehr für die Analyse der nationalen Interessen und für Machtfragen interessiert, wird sich besser bei Ziebura, Weisenfeld oder Soutou usw. zu informieren suchen.
Dennoch hat diese Studie durchaus hohe Qualitäten, die zweifellos die Lektüre lohnen, wenn man sich für die Geschichte der Beziehungen zwischen de Gaulle und Adenauer interessiert. Der Ablauf der persönlichen Begegnungen und der politischen Ereignisse wird von Legoll ebenso detailliert wie lebendig geschildert. Nicht zuletzt vermitteln die vielen wörtlichen Zitate ein recht plastisches Bild von diesem wichtigen Kapitel deutsch-französischer Geschichte.
Johannes Thomas



