Geschichte einer Teilung
2009, C.H.Beck, ISBN10: 3406585175
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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente 3-4/2009
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Rezension / Compte rendu:
Ein "Beruhigungsfaktor" im Ost-West-Konflikt
Von 1961 bis 1989 trennte sie Ost-Berlin von West-Berlin und machte aus Berlin eine Enklave auf DDR-Gebiet. Über 28 Jahre war die Mauer tristes Zeichen des Ost-West-Konflikts und des geteilten Deutschlands; 168 Kilometer lang und scharf bewacht, "beruhigte" sie ihn.
Detailliert schildert Edgar Wolfrum in seinem Buch ihre Entstehung im Kalten Krieg, nach Berlin-Blockade und sich zuspitzenden Krisen zwischen aufrüstenden Blöcken. Sie war gegen Personen errichtet worden, die aus der DDR nach Westen fliehen wollten; und sie fiel, nachdem die so genannte "Republikflucht" nicht mehr zu stoppen war. Aber was geschah nicht alles in den Jahrzehnten davor, beim stetigen Kräftemessen zwischen Ost und West, im Zuge schwankender "Entspannungspolitik" und Hoffnung auf "Wandel durch Annäherung"?
Den Fall der Mauer beschleunigten vor allem demokratische Entwicklungen in Ostmitteleuropa, zunächst in Polen ("Solidarnosc"), dann in der Tschechoslowakei ("Charta 77"); und schließlich in der Sowjetunion, wo Gorbatschow seit 1985 - mit den Stichworten "Perestroika" (Umgestaltung) und "Glasnost" (Transparenz) - massive Reformen einleitete.
Indessen blieb der "antifaschistische Schutzwall", der die DDR vor "Abwanderung und Spionage" schützen sollte, so lange tabu, bis 1988 zunehmend Bürger flüchteten; teils über Botschaften in osteuropäischen Hauptstädten (darunter Prag und Warschau), teils direkt über die Tschechoslowakei oder über Ungarn, das seit 11. September 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte. Innerhalb der DDR führte dies letztlich zu Massenkundgebungen und Forderungen nach Reisefreiheit. Das SED-Regime, gezwungen, über Neu-Regelungen nachzudenken, verfranste sich auf einer Pressekonferenz in ungeplante Äußerungen, die als Einführung der Reisefreiheit verstanden wurden. Der genaue Hergang bleibt strittig, jedenfalls begann spontan das Einreißen des überfälligen Sperrzauns.
Auf DDR-Seite war die Mauer ein technisierter Todesstreifen gewesen, den man fürchtete und meiden musste. Auf West-Berliner-Seite konnte man sich ihr nähern und den Betonklotz, als Instrument der Herrschaftssicherung verstanden, im Lauf der Zeit knallbunt bemalen und beschreiben; zahlreiche Künstler aus aller Welt beteiligten sich daran.
An diesen spielerischen Angriff auf den "Schutzwall" knüpft die so genannte "Mauerstein-Aktion" an, die momentan durch die Lande tourt und auf Mauersteine geschriebene Botschaften an Berlin sammelt. Am 9. November wird die Aktion vor dem Brandenburger Tor ihren Abschluss finden (www.sei.berlin.de).
Edgar Wolfrums Buch zeigt im Schlusskapitel ("Mauern in der Welt von heute"), dass Mauern, die Bevölkerungen trennen, leider noch nicht historisch sind. Bedenklich: Aktuell ziehen sich mehr von ihnen über den Erdball als je zuvor.
Cornelia Frenkel
L'auteur revient sur les nombreux chapitres de cette histoire mouvementée qui fait l'objet d'une initiative originale pour que des messages soient inscrits sur des morceaux de béton accumulés ensuite à Berlin lors d'une manifestation devant la Porte de Brandebourg le 9 novembre. Edgar Wolfrum en est persuadé : des murs existent encore dans le monde d'aujourd'hui, et pas seulement dans les têtes.



