2016, dtv, München, ISBN10: 342328076X
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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 1/2017
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Rezension / Compte rendu:
Im Schatten der Katastrophe
Im März 2011 bebt die Erde an Japans Küste. Es folgen ein Tsunami und Störfälle in Kernkraftwerken. Rund 20000 Menschen sterben. Hunderttausende werden obdachlos, ganze Regionen unbewohnbar. Die Medien tragen die Bilder um die Erde und die Menschen halten inne, unabhängig davon, woher sie kommen und wo sie sich am 11. März 2011 befinden. Hier setzt der Schriftsteller Laurent Mauvignier mit seinem neunten Roman Mit leichtem Gepäck an. Er macht uns mit Menschen bekannt, die nichts gemeinsam haben, außer, dass sie alle diesen Unglückstag erlebt haben, irgendwo auf diesem Planeten. Und dass sie unterwegs sind, in einer globalisierten, uniformisierten Welt. Es ist nicht der erste Roman, in dem Laurent Mauvignier ein mehrstimmiges Echo einer individuellen oder kollektiven Katastrophe erklingen lässt. Dieses Mal zeigt er jedoch, formal radikaler als früher, Momentaufnahmen im Leben zahlreicher Protagonisten, deren vierzehn Geschichten in sanften Wellen übergangslos ineinander fließen und zusammen einen globalen Kanon ergeben. So unterschiedlich die Charaktere sind, die Mauvignier an sehr unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Lebensphasen mit ihrem Verlust, der Trauer, Melancholie und Liebe zeichnet, so fügen sich doch alle Stimmen zu einem großen Stimmungsbild zusammen. Formal ist das gelungen, sprachlich dicht und suggestiv, dennoch gehen diese Geschichten kaum unter die Haut. Zu kurz sind die Begegnungen; plötzlich sind die Figuren, die man gerade erst kennengelernt hat, verschwunden. Und wie die meisten Charaktere Mauvigniers machen auch sie vieles im inneren Monolog alleine mit sich aus. Bis zum Schluss sucht man als Leser nach Verbindungen zwischen den Protagonisten, nach Sinn und Tiefe, findet jedoch nur den Schwebezustand, die Leere, Entwurzelung und Einsamkeit. Die Katastrophe in Japan nehmen die meisten Charaktere nur am Rande wahr, direkt vom Tsunami betroffen s in d nur die der ersten und letzten Geschichte. Zuerst erzählt der Mexikaner Guillermo von seiner Leidenschaft fürs Reisen. Aufbrechen ohne jemandem Bescheid zu geben und herausfinden, ob die Wirklichkeit in den USA, Indien und Japan seinen Träumen und Sehnsüchten entspricht. Japan erlebt er im Rausch. Sex, Alkohol und Drogen und die faszinierende Yuko mit den Striemen auf den Schultern. Beide sprechen kaum und wissen noch nicht, dass Guillermo bald nicht mehr am Leben sein und Yuko durch ihren Blouson überleben wird. Der Reigen endet mit der anrühren den Erzählung des japanischen Mädchens Fumi, das mit seiner Familie Urlaub in Paris macht. Die Eltern verlängern den Aufenthalt, sagen Fumi ab er nicht warum. Fumi würde ihrer Omi in Japan gerne am Telefon von ihrer Begeisterung für diese Stadt erzählen, ihre Eltern vertrösten sie, so spricht sie alles auf eine Kassette. Dazwischen liegen Erzählungen eines alleinstehenden Schweizer Bilanzbuchhalters auf Kreuzfahrt, Glücksmomente junger Türken beim Tauchen auf den Bahamas, die Spuren suche einer christlichen Chilenin mit jüdischen Wurzeln in Israel, von einem jungen Rassisten aus den Südstaat en der USA, der zu seinem Bruder trampt, und einige mehr. All diese Menschen halten einen Moment inne, dann suchen sie weiter nach ihrem privaten Glück.
Jeannette Villachica
Après la catastrophe de Fukushima
Le roman de Laurent Mauvignier, Autour du monde, paru en 2014, a été traduit en allemand. Retour sur l’effet papillon de la catastrophe de 2011 au Japon.
Réd.



