Partner Sprache / La langue du partenaire

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Lahr-Kurten, Matthias
2013, ifa-Edition Kultur und Außenpolitik, Stuttgart, ISBN10:

Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 4/2013 
Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente/Documents 4/2013 

Rezension / Compte rendu:
Opfer der Banalisierung

Auch die gegenwärtige Situation der französischen Sprache in Deutschland ist, genau wie die der deutschen Sprache in Frankreich (siehe den Beitrag von Jean-Michel Hannequart in diesem Heft), als prekär zu bezeichnen. "Das 21. Jahrhundert scheint anderen Sprachen wie Spanisch und Chinesisch zu gehören", schreibt Ronald Grätz, Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in dem Vorwort einer deutsch-französischen Publikation zum Thema "Partner Sprache". Es handelt sich um eine Untersuchung aufgrund von 73 Experteninterviews, die sowohl Probleme als auch Potenziale außerschulischer Fördermaßnahmen in beiden Ländern aufzeigen. Im Schuljahr 2010/2011 lernten 19 % der deutschen Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen Französisch (87 % Englisch, 4 % Spanisch) – allerdings mit starken regionalen Unterschieden: In Grenznähe, so das Statistische Bundesamt, wird überdurchschnittlich häufig Französisch gelernt, während in Bayern, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sehr niedrige Werte von etwa 12 % vorzufinden sind. In Hamburg hat eine Reform der Oberstufe dazu geführt, dass innerhalb eines Jahres (von 2009 auf 2010) ein Drittel weniger Schüler Französisch gelernt haben. In Bayern ist es die lateinfreundliche Bildungspolitik, die die niedrigen Zahlen erklären. Insgesamt wird außerdem festgestellt, dass die Anzahl der Französischlehrerinnen und -lehrer in den letzten zehn Jahren nahezu konstant geblieben ist – während sich die Zahl der Spanisch-Lehrer versiebenfacht hat. Französisch-Kurse stehen zwar im Rahmen der individuellen Weiterbildung mit öffentlichen, halböffentlichen und privaten Anbietern (Volkshochschulen, Instituts français, deutsch-französische Kulturzentren, Sprachschulen) auf dem Programm. Doch auch in diesem Zusammenhang ist ein deutlicher Rückgang (40 % in 25 Jahren) zu verzeichnen. Auf eine veränderte Motivationslage weist die Studie hin, die auch von den Erfahrungen des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) bestätigt wird: "Während in der Schule der Faktor Notengebung wesentlich ist, werden in der konkreten Begegnung mit Land und Leuten andere lebensnahe Faktoren bedeutsam – etwa grenzüberschreitende Freundschaften, Interesse an der Kultur des anderen Landes, Zukunftsperspektiven in Verbindung mit dem anderen Land." Die französische Sprache wird zwar in Deutschland offensichtlich als schönere Sprache wahrgenommen als die deutsche Sprache in Frankreich, so der Autor der Studie, dennoch gleichen sich die Beschreibungen des Französischen und des Deutschen, wenn es um das Erlernen geht: "Französisch gilt als schwierig, der Französisch-Unterricht als grammatiklastig und die Methoden dementsprechend nicht als kommunikationsorientiert." Außerdem sei Frankreich bei den Deutschen durch die "Banalisierung" des deutsch-französischen Verhältnisses im Gegensatz zu einer Zeit von vor etwa 25 Jahren deutlich unattraktiver geworden. Manche finden Spanisch moderner und Spanien interessanter als Frankreich. Und auch Touristen würden eher Mauritius oder Thailand buchen, statt "in so einen langweiligen Frankreich-Urlaub" zu fahren. Fazit: Die Situation des Französischen in Deutschland wird als "schwierig" bezeichnet. Das Image der französischen Sprache sei nur über den Umweg einer Steigerung der Attraktivität Frankreichs zu erreichen.
Gérard Foussier

Die zweisprachige Publikation beschreibt auch die Situation der deutschen Sprache in Frankreich, siehe: http://www.ifa.de/ pubikationen/kultur-aussenpolitik.html.

La langue du partenaire
Dans un ouvrage bilingue sur la situation de l'enseignement des langues en France et en Allemagne, la situation dans les deux pays est qualifiée de « précaire ».
Réd.

Partner Sprache / La langue du partenaire