Du duel au duo
2005, Editions Privat, ISBN10: 2708908138
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Rezension / Compte rendu:
Geschichten der Geschichte
Schon auf der Titelseite wird deutlich, dass die Autorin des vorliegenden Bandes, eine gebürtige Deutsche, die an der Universität Besançon unterrichtet, die bekannten Entwicklungen der deutsch-französischen Beziehungen der letzten Jahrzehnte zusammenfassen will, eben vom Duell der angeblichen Erzfeinde bis hin zum Duo der befreundeten Partner.
Bekannt? Nicht unbedingt. Denn schon bei der Verfassung ihrer Doktorarbeit zu diesem Thema, ebenfalls in Besançon, war Stéphanie Krapoth bemüht, jene Bilder zu finden, die das bilaterale Verhältnis beider Völker "von Napoleon bis heute" geprägt und beeinflusst haben. Und diese Bilder suchte sie nicht in den politischen Reden und Pressekommentaren, sondern in den jeweiligen Schulbüchern und satirischen Zeitschriften. Die Autorin analysiert, wie Geschichte gelehrt und wie sie jungen Bürgern subjektiv beigebracht wurde, - nicht um hartnäckige Vorurteile und Stereotypen zu entschuldigen oder zu verharmlosen, sondern um die deutliche Manipulation der Volksmeinung zu erklären. Geschichtsbücher werden zu propagandistischen Publikationen, Geschichten sollen die Geschichte erläutern. Klar, dass sich die Sprache der Lehrer, vor allem nach dem Krieg, stark verändert hat. Seit 1945 werden Ausdrücke benutzt, die früher nicht zum alltäglichen Wortschatz gehörten: Verständigung, Freundschaft und Versöhnung werden seit sechs Jahrzehnten gepriesen, ganz im Sinne des politischen Willens nach Jahren blutiger Auseinandersetzungen. In den deutschen Schulbüchern für 14- und 15-Jährige zum Beispiel stellt Stéphanie Krapoth eine Vielseitigkeit der behandelten Themen fest, die viel größer ist als vor dem Krieg, aber auch eine deutliche Gemeinsamkeit im Ton, vor allem, wenn es um die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland geht. Die Freundschaft wird ausschließlich, fast bedingungslos gelobt. Einige Ausnahmen werden in den französischen Geschichtsbüchern nach 1991, also nach dem Fall der Berliner Mauer registriert. Die Wiedervereinigung, so können französische Schüler hier und da lesen, schüre bei manchen Franzosen die Angst vor einem großen Rivalen an den Grenzen Frankreichs. Diese Befürchtungen bleiben allerdings, so die Autorin, eine Ausnahme, die vom Europa-Gedanken relativiert wird.
Im föderalistischen Deutschland bleibt das Interesse für Frankreich im Schulunterricht von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Nur die Bücher für die Abiturklassen in Baden-Württemberg bieten heutzutage sechs Seiten über die deutsch-französischen Beziehungen an. In anderen Regionen der Bundesrepublik ist die historische Versöhnung kein Thema mehr, wenngleich die gegenseitige Sympathie für den jeweiligen Nachbarn außer Frage bleibt und keinen Anlass für Auseinandersetzungen bietet.
Genau wie Schulbücher sind auch die satirischen Zeitschriften wie "Le Canard enchaîné" in Frankreich und "Der Simplicissimus" in Deutschland eindeutige Indikatoren für die Stimmungslage der Bevölkerungen, besonders in Krisen- und Kriegszeiten, aber auch unter dem Zwang einer politischen Zensur nach 1933 in Deutschland und nach August 1939 in Frankreich. Stéphanie Krapoth nimmt etliche Karikaturen unter die Lupe, um das Bild des Nachbarn durch die Bilder der Satire zu beleuchten. "Der Feind" ist noch vor dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 der Hauptbegriff in den Darstellungen. Dennoch versucht "Le Canard" in den 1930er Jahren seine pazifistischen Ansichten zu bekräftigen und weigert sich, den drohenden Militarismus im nationalsozialistischen Deutschland zu dramatisieren. Manche Glossen und Zeichnungen spiegeln das Wunschdenken vieler Franzosen wider. Nach dem Erscheinungsverbot von 1940 bis 1944 wird zwar die verbotene Widerstandspresse diese Bilder schärfen, aber eindeutig zwischen Hitler und der "guten" Kulturnation differenzieren. Auch "Der Simplicissimus" wird zunächst die französische Unnachgiebigkeit kritisieren und dadurch die Berliner Außenpolitik in Schutz nehmen. Frankreich wird verteufelt und seine allegorischen Darstellungen zum Instrument der offiziellen Propaganda gegen den Erzfeind.
Umso gewaltiger erscheint die Entwicklung in beiden Zeitschriften nach dem Zweiten Weltkrieg: In "Le Canard" werden die französischen Kämpfe der vergangenen Jahrhunderte zu lächerlichen Episoden, er berichtet über die (leicht eingedeutschte) "koopération" (!) mit der Bundesrepublik, bejubelt das Versöhnungswerk von 1963, bezweifelt allerdings, dass Adenauer dabei die Unterstützung der deutschen Politik besitzt. "Der Simplicissimus" seinerseits rätselt über die wahren Absichten de Gaulles und ignoriert bis 1965 die Realität der deutsch-französischen Freundschaft.
All diese Vergleiche verdeutlichen den Umfang der Veränderungen in der Darstellung des jeweiligen Nachbarn bis heute. Dass nicht alle Klischees verschwunden sind, zeigt nach Ansicht Stéphanie Krapoths, dass Deutsche und Franzosen zwar gemeinsame Orte der Erinnerung, aber unterschiedliche Erinnerungen an diesen Orten haben.
Gérard Foussier
Histoires d'imagerie
Le titre surprend par sa banalité, le sous-titre résume un siècle et demi d'antagonisme franco-allemand. D'origine allemande, Stephanie Krapoth a soutenu à Besançon une thèse de doctorat sur l'imagerie réciproque de la France et de l'Allemagne à partir de manuels scolaires et de journaux satiriques. Le livre issu de cette thèse illustre l'évolution des mentalités, de la notion d'ennemi héréditaire à celle de couple. Les nombreuses citations relevées dans les manuels scolaires en disent long sur la façon d'expliquer l'Histoire aux enfants et donc de manipuler les esprits dès le plus jeune âge. Ainsi naissent les clichés, les idées reçues, qui collent à la peau des Français et des Allemands depuis des générations. Mais l'auteur va plus loin : l'étude des journaux satiriques, « Le Canard enchaîné » en France et « Der Simplicissimus » en Allemagne, fournit également des indicateurs sensibles du moral des deux peuples, surtout en période de crise ou de guerre. Depuis 1945, de nouvelles expressions apparaissent dans les discours : chacun veut promouvoir l'entente et l'amitié entre les peuples. Stephanie Krapoth note dans les manuels allemands par exemple, destinés aux élèves de 14-15 ans, « une grande diversité dans le détail et une tout aussi grande convergence dans le ton. A propos de l'amitié franco-allemande, celui-ci s'avère systématiquement laudatif, voire emphatique, sans réserves. » En France, quelques digressions seront notées après la chute du Mur: dans un manuel paru en 1991, on pourra lire que « la réunification allemande ravive chez certains la peur du grand rival germanique aux frontières de la France. » Beaucoup de craintes françaises néanmoins sont sublimées par l'engagement européen. En Allemagne, l'intérêt pur la France varie désormais en fonction de la situation géographique de chaque Land. Seuls les élèves de terminale du Bade-Wurtemberg par exemple ont droit à six pages aux relations bilatérales. L'auteur, qui se félicite de voir le mythe de l'antagonisme franco-allemand disparaître, se défend de toute conclusion abusive et hâtive : « l'attention inégale n'empêche pas la sympathie réciproque.»
Gérard Foussier



