Henri IV

Machtmensch und Libertin

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Schultz, Uwe
2010, Insel Verlag, ISBN10: 3458174710

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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 2/2010 

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Ce livre a fait l'objet d'un compte rendu de lecture dans le numéro : Dokumente/Documents 2/2010 

Rezension / Compte rendu:
Unser guter König Henri

Am 14. Mai 1610 wurde Henri IV, König von Frankreich und Navarra, Opfer eines Anschlags auf offener Straße in Paris. Etliche französische Publikationen würdigen 400 Jahre später "unseren guten König Henri", wie er volkstümlich genannt wird. Auch in Deutschland wird der "Machtmensch und Libertin" - so der Untertitel einer neuen Biographie, vorgestellt. Uwe Schultz, früher Redaktionsleiter beim Hessischen Rundfunk, liefert ein facettenreiches Bild des ersten Bourbonen-Königs, der vor allem als Urheber des Edikts von Nantes in die Geschichte eingegangen ist, mit dem er den Protestanten in ihrer Religionsausübung entgegen kam. Er selber wurde nach seiner Hochzeit zur Konversion zum Katholiken gezwungen. Das Edikt von Nantes im Jahre 1598, so Uwe Schultz, war "kein generöser Gnadenakt an seine alten Glaubensgenossen, sondern eine ihm gnadenlos abgehandelte Erpressung", weil der König fürchtete, die Hugenotten könnten sich den Engländern und Holländern anschließen.
Uwe Schultz beschreibt das Attentat von 1610 durch den katholische Eiferer François Ravaillac mit akribischer Präzision. Auch über die Geburt des Prinzen im Jahre 1553 in Pau sind viele Einzelheiten bekannt, die man in Frankreich immer wieder erzählt - so die Geschichte mit der Knoblauchzehe, die an den Lippen des Neugeborenen gerieben wurde. Auch sein Liebesleben ist verbrieft - von 51 Geliebten (vielleicht noch mehr) ist die Rede, nicht weniger als 14 Kinder wurden bis zum Tode des "Vert galant" (wortwörtlich "der grüne Galan", also "der gut im Saft stehende Galan") gezeugt, "wenn man nur die legitimen, legitimierten und illegitimen zählt", schränkt Uwe Schultz vorsichtshalber ein. Aber die damalige Hochzeitspolitik am Hof hatte eigene Gesetze: Kurz nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter nahm Henri, der Protestant, die schöne Katholikin Marguerite de Valois ("la reine Margot") 1572 zur Frau - "es schien sich, ein politischer Weg zur religiösen Toleranz zu öffnen", kommentiert der Autor nachträglich. Doch diese "Mischehe" konnte das Massaker vom 23. August 1572, in der Bartholomäusnacht, nicht verhindern: 3000 Hugenotten wurden in Paris niedergemetzelt, in ganz Frankreich zehnmal mehr.
Manche Zitate, die in Frankreich bis heute fast zu Sprichwörtern geworden sind (wie "Ich werde dafür sorgen, dass es in meinem Königreich keinen Bauern gibt, der nicht die Mittel besitzt, um sonntags ein Huhn im Topf zu haben"), revidiert allerdings der Autor. Nach seiner Einschätzung habe der König bei seiner erneuten Konversion nie den berühmten Satz "Paris ist eine Messe wert" gesprochen, räumt aber ein, dass sein Schritt in den katholischen Glauben ihm den langen Weg zur französischen Krone und zur "ungeteilt-unangefochtenen Souveränität Frankreichs" geebnet hat - ohne Blutvergießen. Henri IV war "nach Jahren permanenter Kämpfe auf dem Höhenpunkt seiner Macht und Souveränität angelangt".
Jérôme Pascal

Henri IV au cinéma
Heinrich Mann avait consacré à Henri IV dans les années 30 un roman en deux parties, dont seule la première a été traduite en français (et épuisée depuis la Seconde Guerre mondiale). Aujourd'hui, le « bon roi Henri » fait l'objet d'attentions particulières en Allemagne. Outre une biographie de Uwe Schultz, le film de Jo Baier et Regina Ziegler, réalisé sur la base du roman de Heinrich Mann, est sorti dans les salles en mars 2010 (puis une semaine plus tard à la télévision en France).
J. P.

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