Deutsch-französische Literaturbeziehungen

Stationen und Aspekte dichterischer Nachbarschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Krings, Marcel / Luckscheiter, Roman (Hrsg.)
2007, Königshausen & Neumann, ISBN10: 3826036158

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Rezension / Compte rendu:
Literarische Nachbarn

In der Erforschung der Geschichte des kulturellen Austausches zwischen Deutschland und Frankreich beziehungsweise der deutsch-französischen Kulturbeziehun- gen nehmen die kritische Beschäftigung mit den nachbarschaftlichen literarischen Beziehungen, wechselseitigen literarischen Wahrnehmungen und Stereotypen sowie die sprachgrenzüberschreitende Rezeptions- und Perzeptionsforschung einen gewichtigen Platz ein. Die literatur- und kulturwissenschaftliche Untersuchung der vielfältigen Aspekte der deutsch-französischen Lite-raturbeziehungen ist seit jeher ein bevorzugter Gegenstand insbesondere der europäischen Komparatistik. Auch interkulturell orientierte, über den "nationalen Tellerrand" hinausschauende Germanisten und Romanisten sowohl in Deutschland als auch in Frankreich beschäftigen sich gerne mit diesem breiten und ergiebigen Themenfeld. Die unzähligen Monographien, Aufsätze und Sammelbände zur Geschichte der deutsch-französischen Literaturbeziehungen füllen ganze Bibliotheken. Dennoch ist dieses weite Forschungfeld noch lange nicht abgegrast, ganz im Gegensteil, wie der von den jungen Hei-delberger Germanisten Marcel Krings und Roman Luckscheiter herausgegebene Sammelband eindrucksvoll unterstreicht. Er versammelt die Beiträge einer Tagung, die im November 2006 in Heidelberg stattfand und bei der vorwiegend jüngere Literaturwissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien und Österreich anhand von Fallstudien grundlegende Aspekte der deutsch-französischen Literaturbeziehungen vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart hinein untersuchten.
Die insgesamt 19 (allesamt in deutscher Sprache vorliegenden) Beiträge des Bandes widmen sich unter anderem imagologischen Aspekten der deutsch-französischen Literaturbeziehungen wie zum Beispiel Jean Pauls Auseinandersetzung mit Madame de Staëls "De l'Allemagne" oder der Rezeption "französischer Typen" im der deutschen Komödie der Aufklärung. Ferner rücken grenzüberschreitende Strategien der Aneignung von Stoffen und Motiven sowie der Transfer von Ideen aus der Kultur des Nachbarlandes in den Brennpunkt. Im Zentrum fast aller Beiträge steht die Frage, welche jeweiligen gesellschaftlichen, kulturellen und literarischen Interessen die produktive Rezeption über die nationalen beziehungsweise sprachlichen Grenzen hinweg geleitet haben. Wissenschaftshistorische Aspekte beleuchten der einleitende Beitrag von Roman Luckscheiter ("Kultureller Ausstausch und europäischer Geist"), die Betrachtungen des Genfer "komparatistischen Germanisten" Bernhard Böschenstein über "bikulturelle Konstellationen" sowie Christian Webers Aufsatz über "Komparatistik als Reflexionsmedium der Nationalphilologie" am Beispiel von Ernst Robert Curtius und Max Kommerell.
Abgerundet wird der gehaltvolle, bestens lektorierte und vor allen Dingen viele neue Erkenntnisse und Anregungen liefernde Sammelband zu den deutsch-französischen Literaturbeziehungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart von bio-bibliographischen Angaben zu den Autoren der Beiträge. Dieses Buch über die literarischen Nachbarn beidseits des Rheins ist ein wichtiger Beitrag zur deutsch-französischen Komparatistik.
Horst Schmidt

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Deutsch-französische Literaturbeziehungen