Les retraites en question

La Documentation française

Autor/Hrsg Auteur/Editeur: Rémond, Antoine
2009, Paris, ISBN10: 1763-6191

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Dieses Buch wurde rezensiert in der Ausgabe: Dokumente/Documents 1/2010 

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Rezension / Compte rendu:
Vom Babyboom zum Papyboom

Auch in Frankreich wird seit Jahren darüber spekuliert, wie lange noch der Staat die Rente wird ausbezahlen können, da die Massenarbeitslosigkeit immer noch sehr hoch ist. Trotz demographischer Rekordzahlen (mit Irland registriert Frankreich die höchsten Geburtszahlen in Europa) bleibt das Rentenalter mit 60 Jahren ein begehrtes Lebensziel, obwohl Reformen die volle Rente erst mit 65 ab 2012 planen (mit 60 Jahren bei 41 Beitragsjahren).
Der Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland zeigt, dass nur 38,2% der 55- bis 64-jährigen Franzosen noch im Arbeitsverhältnis standen (2008), während 53,8% der Deutschen noch berufstätig waren. Im Durchschnitt geht der Franzose mit ca. 59,5 Jahren in Rente, der Deutsche erst drei Jahre später.
Die Dokumentation von Antoine Rémond, vom Wirtschaftszentrum Paris-Nord (CEPN), liefert wesentliche Informationen über die Geschichte der Rente in Frankreich, über die Reformen der letzten Jahre und deren Auswirkungen bis heute.
Die Rente ist am Ende des 17. Jahrhunderts vom Königreich ins Leben gerufen worden, um alte Staatsdiener in der Armee zu belohnen, später in der Verwaltung. Das Recht auf Rente wird erst im Laufe des 18. Jahrhunderts anerkannt. In der zweiten Hälfte des darauffolgenden Jahrhunderts werden auch in den Unternehmen Rentenregelungen eingeführt, vor allem, um Arbeiter zu gewinnen, die ungern unter den schweren Bedingungen der Industrialisierungswelle arbeiten wollten. Dennoch: Am Ende der 1890er Jahre bezogen, außerhalb des Eisenbahn- und Bergbausektors, weniger als 100 000 Arbeiter (also 3,71% des Personals in der Privatindustrie) eine Rente.
Die erste Reform des französischen Rentensystems wurde 1879 von einem Abgeordneten vorgeschlagen, erst 1910 wurde die Rente auf alle Werkstätige erweitert - was auch zu heftigen Protesten führte, denn die Konservativen und die Arbeitgeber verstanden die Rente als Anreiz zur Faulheit, und die Gewerkschaften sahen darin nur eine "Rente für Tote" - das Rentenalter war auf 65 Jahre festgelegt, die durchschnittliche Lebenserwartung etwa 50 Jahre und die Rente ohnehin sehr bescheiden, wie Antoine Rémond schildert.
1918 wurde deutlich, wie rückständig das französische Rentensystem in Europa war. Die Arbeitnehmer aus dem Elsass und aus Lothringen wollten nach dem Ersten Weltkrieg und nach ihrer Rückkehr in die französische Republik die bisherige Bismarcksche Sozialversicherung weiterhin genießen, die zwischen 1883 und 1889 im Kaiserreich eingeführt worden war. Es dauerte noch zehn Jahre, bis die französische Nationalversammlung ein entsprechendes Gesetz verabschiedete.
Das aktuelle System datiert aber, zumindest in seinen Grundzügen, von 1945, mit der Einführung der "Sécurité sociale" für alle Bürger - allerdings mit unterschiedlichen Regelungen bei der Definition der Rente. Die ausführliche Präsentation von Antoine Rémond zeigt die Vielzahl von Sonderbestimmungen und Ausnahmen, sie stellt auch die wichtigste Frage für die Zukunft: Wie soll die Rente nun weiter finanziert werden?
Frankreich, das am Ende des Zweiten Weltkrieges 41 Millionen Einwohner hatte, zählt heute mehr als 60 Millionen Bürger. Dem Baby-Boom von 1945 folgt nun ein Papy-Boom, was damals dadurch relativiert wurde, dass "jedem neuen Mund, der genährt werden muss, zwei neue Arme entsprechen, die diese Aufgabe später übernehmen werden". Leider konnte keiner voraussehen, dass sich die aktive Agrarbevölkerung von 7,5 auf nur noch 1,2 Millionen Bürger reduzieren würde. Jeder Landwirt muss nun 48,3 Personen ernähren, satt 5,3 nach dem Krieg. Diese Entwicklung hat dazu beigetragen, dass das Rentensystem mehrmals reformiert werden musste, meistens mit einer Ausdehnung der notwendigen Beitragsjahre für eine volle Rente, einer Erhöhung der Beitragssätze und einer Flexibilisierung bei dem Einstieg ins Rentenalter. Wer nun vor dem 65. Lebensjahr pensioniert werden will, muss pro fehlendes Quartal 1,75% von seiner vollen Rente abziehen; sollte er allerdings schon vorher 41 Jahre lang Rentenversicherungsbeträge bezahlt haben, dann gilt die volle Rente. Wer übrigens länger arbeiten möchte, vorausgesetzt seine Firma ist damit einverstanden, bekommt 1,25% mehr pro Quartal, das gesamte Einkommen darf aber nicht das letzte Gehalt vor der "offiziellen" Pensionierung übersteigen. Und spätestens mit 70 ist die aktive Arbeitszeit endgültig vorbei.
Weitere Reformen werden in dem Buch detailliert aufgezählt, auch deren Folgen für die Bürger: Der Lebensstandard zum Beispiel ist unterschiedlich gesunken, im Schnitt um 37% für die Männer und um 30% für die Frauen nach 15 Jahren Rentnerdasein.
Der Autor relativiert die Katastrophenstimmung, die er für übertrieben hält. Er fragt sich, warum Nicolas Sarkozy nun vor einer Pleite des französischen Rentensystems warnt, obwohl er 2007 im Wahlkampf um die Staatspräsidentschaft immer wieder darauf hingewiesen hatte, dass die Finanzierung des heutigen Systems bis 2020 kein Problem darstelle. Die französische Fassung des fast zum deutschen Sprichwort gewordenen Zitats vom damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm: "Die Rente ist sicher."
François Talcy

Les Allemands travaillent plus longtemps
Le système français de retraite, dont les origines remontent au 17e siècle, est complexe. L'intérêt du travail de documentation proposé par Antoine Rémond, membre du « Centre d'économie de Paris-Nord » (CEPN), réside dans l'historique, mais aussi dans la description minutieuse et dans l'impact des réformes lancées au cours de la dernière décennie du 20e siècle pour faire face aux besoins de financement, entre un chômage de masse qui pèse sur les systèmes sociaux et un dynamisme des naissances qui place la France en tête des pays européen avec l'Irlande.
Ce sont les salariés d'Alsace et de Lorraine, au lendemain de la Première Guerre mondiale et leur retour au territoire français qui ont tenu à conserver le système de sécurité sociale instauré par Bismarck entre 1883 et 1889 et dont ils bénéficiaient depuis leur annexion au « Reich ».
Les différences entre la France et l'Allemagne sont considérables dans ce domaine. Alors que l'âge moyen des retraités en France était de 59,5 ans (59,4 pour les femmes) en 2007, celui des Allemands était de 62,6 ans pour les hommes et 61,5 pour les femmes. Le taux d'emploi des 55-64 ans en 2008 était de 53,8% en Allemagne contre seulement 38,2% en France. Plusieurs réformes ont été engagées qui permettent aux Allemands en 2012 de partir à la retraite à 63 ans avec 35 années de cotisation, ou plus tôt si les salariés ont cotisé pendant 45 ans. La retraite complète sera versée désormais à 67 ans (ou 65 avec 45 années de contribution). Le relèvement de 65 à 67 ans se fera entre 2011 et 2029 par paliers d'un mois par an entre 65 et 66 ans et par paliers de deux mois entre 66 et 67 ans. Une décote de 3,6% par année non travaillée est prévue en cas de départ anticipé.
En France, la réforme prévoit la retraite à 60 ans en 2012, la pension complète étant versée à 65 ans ou à partir de 60 ans avec 41 années de contribution. La décote pour un départ avant 65 ans sera de 1,75% du taux de liquidation pour tout trimestre manquant. Par contre une surcote de 1,25% par trimestre sera accordée pour une prolongation d'activité au-delà des conditions de la pension complète.
François Talcy

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Les retraites en question